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Raï
Musik aus Algerien & Marocco |
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Bei
Raï denken viele vielleicht erst mal an den staatlichen italienischen
Fernsehsender. Der heißt zwar genauso, hat aber mit der Musik
aus Algerien überhaupt nichts zu tun. Der Raï ist eine wichtige
Strömung innerhalb der Weltmusik. Aber nicht nur Hits wie zum Beispiel
"Aisha" von Khaled werden gerne gecovert und tauchen dann
auch in den Charts der diversen Radiosender auf. Jüngstes Beispiel:
Aisha in der Version der Band " Outlandish". Die
Anfänge des Raï "Zugegeben,
die Stadt selber ist hässlich", schrieb der Schriftsteller
Albert Camus über Oran. Dennoch wurde die algerische Hafenstadt
als Geburtstätte des Raï weltberühmt. Im Dunstkreis halbseidener
Bars und Kaschemmen entstand hier Anfang des 20.Jahrhunderts dieser
neue, moderne Stil der Musik des Maghreb. Er speiste sich aus arabisch-andalusischen
Gesangstraditionen, lokaler Folklore und französischen Einflüssen. Der
Raï - Boom Der
eigentliche Durchbruch des Raï kam aber erst in den Siebzigerjahren.
Beeinflusst von westlichen Moden wie Swing, Rock'n Roll und Soul, hatte
einen neue Generation von MusikerInnen den Raï inzwischen für
die Tanzfläche fit gemacht. Der Bandleader Bellemou Messaoud etwa
ersetzte Holzflöte und Handtrommeln aus der Folklore Tradition
durch Trompete, Saxofon, Tabla und sogar Schlagzeug, und führte
das Akkordeon in den Raï ein. So kombinierte er die arabischen
Vierteltöne des Raï mit dem Instrumentarium einer amerikanischen
Big-Band. Die
Globalisierung des Raï Seit
Mitte der Achzigerjahre aber siedelten immer mehr Raï-MusikerInnen
nach Frankreich über, wo sie sich bessere Arbeitsbedingungen erhofften.
Nach den annullierten Wahlen im Dezember 1991, aus denen die Islamische
Heilsfront (FIS) als klare Sieger hervor gingen, spitzte sich die Lage
in Algerien außerdem weiter zu. In dem Bürgerkrieg, der in
den Neunzigerjahren zwischen dem Staat und fundamentalistischen Gruppen
eskalierte, gerieten auch die Raï-MusikerInnen zwischen die Fronten.
Der Raï Produzent Rachid Baba Ahmed und der beliebte Raï Sänger
Cheb Hasni fielen beide 1994 Attentaten zum Opfer. Die allabendliche
Ausgangssperre und die ständige Angst vor Terroranschlägen
brachten jedes öffentliche Leben zum Erliegen. In
Frankreich dagegen herrschten nicht nur Frieden und Bewegungsfreiheit.
Es gab auch bessere Studios und eine professionelle Musikindustrie,
die sich allmählich auch für die eingewanderten Raï-Stars
aus Algerien öffnete. Als erster unterschrieb der charismatische
Cheb Khaled einen Vertrag bei einer französischen Plattenfirma.
Mit Hilfe des US-Produzenten Don Was produzierte er 1991 ein Album,
das ihm gleich seinen ersten internationalen Hit bescherte. Sein Song
"Didi" war so erfolgreich, das er vielfach kopiert wurde:
Es entstanden Versionen in Hindi, Hebräisch und Türkisch.
Raï-Stars wie Khaled, Cheb Mami & Rachid Taha haben inzwischen
die Globalisierung des Raï weitergetrieben. Längst haben sie
ihre Fans nicht mehr nur unter der algerischen Einwanderer-Jugend in
den französischen Vorstädten, im Gegenteil: Wenn sie große
Konzertsäle wie das Zenith in Paris füllen, dann sind diese
sogar eher in der Minderheit. Und weil sie weltweit auf Tournee gehen,
haben sich Khaled & Co inzwischen rund um den Globus ein Publikum
erspielt. Genau
so global ist mittlerweile die Musik geworden. Von Reggae, Funk und
französischem Pop beeinflusst, hat sich der Raï mittlerweile
bis hin zum "Salsa-Raï" eines Faudel ausdifferenziert.
Im Duett mit Sting gelang dem Raï-Sänger Cheb Mami mit dem
Song "Desert Rose" im Jahr 1999 sein bislang größter
Erfolg. Und die großen Hits des Genres wie Khaleds "Aisha"
leben mittlerweile in unzähligen Cover-Versionen fort. Zipflo
bringt mit seinen Raï -Musikabenden Einblick in die nordafrikanische
Seele, stimmungsvoll und tanzbar. |